Europäischer Gerichtshof eröffnet Wege zur Rückerstattung für Verluste bei nicht lizenzierten Online-Glücksspielen

Der Europäische Gerichtshof hat entschieden, dass Spieler in Deutschland unter bestimmten Umständen Anspruch auf Entschädigung und Rückerstattung von Verlusten haben, wenn sie auf nicht lizenzierten Plattformen gespielt haben und das Angebot zum Zeitpunkt der Einsätze in ihrem Wohnsitzland illegal war, etwa zwischen 2019 und 2021 bei Slots und bestimmten Wettformen, selbst wenn sich die Vorschriften seither geändert haben. Das Urteil geht auf ein Verfahren mit einem deutschen Kläger zurück und stellt klar, dass EU-Recht zivilrechtliche Rückforderungsansprüche nicht ausschließt.
Beobachter verfolgen seit der Entscheidung, wie sich die Rechtslage auf laufende Verfahren auswirkt, während Behörden und Anbieter die Konsequenzen für bestehende Verträge prüfen. Das Gericht betonte in seiner Begründung, dass nationale Verbote mit EU-Vorgaben vereinbar bleiben, solange sie verhältnismäßig und nicht diskriminierend sind.
Hintergründe des zugrunde liegenden Verfahrens
Ein deutscher Spieler hatte vor einem nationalen Gericht Klage erhoben, nachdem er auf einer ausländischen Plattform ohne deutsche Lizenz Einsätze getätigt hatte, die zum betreffenden Zeitpunkt nicht erlaubt waren. Die Instanz wandte sich an den Europäischen Gerichtshof, um zu klären, ob EU-Recht einer Rückforderung entgegensteht. Die Richter in Luxemburg stellten fest, dass die betroffene Person zivilrechtliche Schritte zur Erstattung der Einsätze einleiten kann, ohne dass europäische Vorschriften dem entgegenstehen.
Das Verfahren beleuchtet die Übergangszeit vor der vollständigen Umsetzung des neuen Glücksspielstaatsvertrags, in der viele Angebote ohne nationale Zulassung betrieben wurden. Gerichte in mehreren Bundesländern hatten zuvor ähnliche Fälle unterschiedlich bewertet, sodass das EuGH-Urteil nun eine einheitliche Linie vorgibt.
Kernpunkte der Entscheidung und ihre rechtliche Reichweite
Das Urteil beschränkt sich auf Fälle, in denen die Aktivitäten zum Zeitpunkt der Teilnahme illegal waren, und eröffnet keine generellen Ansprüche für später legalisierte Angebote. Es bestätigt zugleich, dass Mitgliedstaaten weiterhin eigene Regelungen erlassen dürfen, solange diese mit dem EU-Binnenmarkt und den Grundfreiheiten im Einklang stehen. Nationale Gerichte müssen nun prüfen, ob die jeweiligen Plattformen tatsächlich ohne erforderliche Erlaubnis agierten und ob die Spieler nachweislich Verluste erlitten haben.
Rechtsexperten weisen darauf hin, dass die Entscheidung keine automatische Rückzahlung garantiert, sondern vielmehr den Weg für individuelle Klagen ebnet, die vor deutschen Zivilgerichten verhandelt werden. Die Beweislast liegt dabei bei den Klägern, die den illegalen Charakter der Plattform und die Höhe der Verluste belegen müssen.
Auswirkungen auf laufende Verfahren und den Markt im Juni 2026
Im Juni 2026 stehen zahlreiche Verfahren vor deutschen Gerichten an, in denen Spieler auf Basis des EuGH-Urteils Rückerstattungen beantragen. Anwälte berichten von einer steigenden Zahl eingereichter Klagen, während Plattformbetreiber ihre Verteidigungsstrategien anpassen. Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder beobachtet die Entwicklung und prüft, ob weitere regulatorische Anpassungen erforderlich sind.
Betroffene Anbieter, die zuvor ohne Lizenz tätig waren, sehen sich nun mit möglichen finanziellen Belastungen konfrontiert, falls Gerichte die Rückzahlungspflicht bestätigen. Gleichzeitig hat das Urteil keine direkten Auswirkungen auf aktuell zugelassene Plattformen, die den Anforderungen des Glücksspielstaatsvertrags entsprechen.

Reaktionen von Behörden und Verbänden
Vertreter der deutschen Glücksspielaufsicht haben das Urteil als Bestätigung bestehender nationaler Regelungen gewertet und betont, dass es keine generelle Öffnung für unregulierte Angebote darstellt. Verbraucherschutzorganisationen weisen darauf hin, dass Spieler nun besser über ihre Möglichkeiten informiert werden sollten, um Ansprüche fristgerecht geltend zu machen. Branchenverbände der lizenzierten Anbieter sehen in der Entscheidung eine Stärkung des regulierten Marktes, da illegale Plattformen stärker unter Druck geraten.
Die Europäische Kommission hat bisher keine Stellungnahme abgegeben, die über die allgemeine Anerkennung der Urteilsbegründung hinausgeht. Nationale Parlamente in anderen Mitgliedstaaten mit vergleichbaren Übergangsregelungen verfolgen die Entwicklung aufmerksam, um mögliche Parallelen für eigene Rechtsrahmen zu ziehen.
Praktische Schritte für betroffene Spieler
Personen, die zwischen 2019 und 2021 auf nicht lizenzierten Plattformen gespielt haben, können nun prüfen, ob sie die Voraussetzungen für eine Klage erfüllen. Dazu gehört der Nachweis, dass die Plattform keine deutsche Erlaubnis besaß und die Einsätze in einem Zeitraum erfolgten, in dem das Angebot illegal war. Fristen für die Geltendmachung von Ansprüchen richten sich nach nationalem Zivilrecht und sollten mit juristischem Beistand geprüft werden.
Gerichte in mehreren Bundesländern haben bereits erste Verfahren nach dem EuGH-Urteil wieder aufgenommen und Terminierungen angekündigt. Die weitere Entwicklung wird zeigen, wie sich die Rechtsprechung in der Praxis konsolidiert und ob zusätzliche Leitlinien von höheren Instanzen erforderlich werden.
Conclusion
Das EuGH-Urteil schafft Klarheit für eine begrenzte Gruppe von Fällen aus der Übergangszeit des deutschen Glücksspielmarktes und bestätigt die Möglichkeit zivilrechtlicher Rückforderungen ohne Konflikt mit EU-Recht. Behörden, Gerichte und Marktteilnehmer setzen die Umsetzung in den kommenden Monaten fort, während die genauen Auswirkungen auf bestehende Verfahren weiter beobachtet werden. Weitere Informationen zum zugrunde liegenden Fall finden sich in der Berichterstattung von DW.